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Die Wallfahrtskirche St. Laurentius in Zudar



Inhalt:

  • Geschichte


  • Über St. Laurentius


  • Bau der Kirche


  • Pilgerfahrten nach Zudar


  • Bauliche Merkmale


  • Die Sage von der untergegangenen Stadt Konow


  • Die Glocken von Zudar


  • Zusatzinformationen



  • Zur Geschichte

    1168 Christianisierung Rügens
    1241 Der Ort Zudar wird erstmals erwähnt
    1318 Erste urkundliche Erwähnung der Kirche in Zudar
    1326 Verleihung der "parochia Suder" durch Herzog Wartislav IV an Ritter Henning von Putbus
    1370Die Zudarer Kirche ist ein beliebter Wallfahrtsort, vermutlich berühmt durch ein als wundertätig geltendes Marienbild (zwei Wallfahrten nach Zudar entsprachen einer Wallfahrt nach Rom)
    1372Ende der Wallfahrten durch den Untergang eines Schiffes mit 90 Pilgern am Palmer Ort vor Zudar. Der Glaube an die Wundertätigkeit des Bildnisses schwindet
    1665Fertigstellung des Holzturmes
    1724Der Kirchturm erhält als Dach eine Welsche Haube
    1959Reperaturen an Dach und Holzverkleidung des Turms. Das eicherne Schindeldach wird durch Schieferplatten ersetzt.
    1982Innenausmalung der Kirche
    1991Neuerliche Reperatur des Turmdaches nach 32 Jahren, da eiserne Befestigungsnägel verrostet sind. Für eine lange Haltbarkeit wurde das Dach mit Kupfer eingedeckt. Hahn und Kugel werden vergoldet.
    1992/
    1993
    Nach der Entdeckung schwerer Schäden am Gebälk des Kirchenschiffes erfolgt eine Dachstuhlsanierung und Neueindeckung.
    Besonderheit: Eindeckung der Sakristei mit ursprünglich handgestrichenen Biberschwänzen
    2001Erhalt von zwei neuen Bachert-Glocken

    St. Laurentius

    Im 3. Jahrhundert n. Chr. lebt der junge Priester Laurentius in Rom. Er kümmerte sich um die Alten, Kranken, Behinderten und Mittellosen der christlichen Gemeinde. Dies tat er mit großer Liebe bis er, wie sein Bischof Sixtus, verhaftet wurde. Die Legende erzählt, daß der Kaiser Varerian einen Schatz der Gemeinde vermutet habe, den Laurentius verwaltete. Innerhalb von 3 Tagen sollte der junge Priester diesen herbeischaffen. Zur angegebenen Frist befanden sich auf dem Hof des Kaiserpalastes Arme, Kranke, Krüppel und Blinde. Dem römischen Kaiser sagte Laurentius: "Siehe, der Hof ist voller goldener Gefäße. Das sind Schätze, die wachsen in aller Zeit. Das Gold nachdem du verlangst, ist Ursache vieler Verbrechen. Das wahre Gold ist Jesus Christus. Diese aber sind des Lichtes Kinder, der wahre Schatz der Kirche." Der Kaiser fühlte sich betrogen und ließ Laurentius am 10. August 258 n. Chr. auf einem glühenden Rost verbrennen. Er starb mit einem mutigen Bekenntnis zu seinem Herrn Jesus Christus.



    Über den Bau der Kirche in Zudar

    berichtet Professor A. Haas folgende Sage:

    Als es sich darum handelte, an welchem Platz auf dem Zudar die Kirche gebaut werden sollte, kamen alle Großen auf Rügen zusammen, um über diese Sache zu verhandeln. Nach langen Beratungen kam man dahin überein, daß die Kirche an der Stelle erbaut werden sollte, welche heutigen Tages "de Jüls" heißt. Und zum Zeichen dafür steckte einer der Anwesenden seinen Speer in die Erde. Am anderen Morgen war jedoch der Speer an dieser Stelle verschwunden. Erst nach langen Suchen fand man ihn weit nördlich in der Erde stecken. So hatte Gott selbst darüber entschieden, wo sein Haus stehen sollte und die Kirche wurde dort hingebaut.



    Pilgerfahrten nach Zudar

    Schon vor dem Jahre 1370 war die Zudarsche Kirche das Ziel vieler Wallfahrten. Ein wundertätiges Marienbild machte die schlichte Inselkirche berühmt, zu einem rügenschen Lourdes, einem weithin bekannten Wallfahrtsort zur Stärkung des christlichen Glaubens. Die Pilger brachten alle Vorhaben und Anliegen der Heiligen Maria vor, um dann beglückt wieder heimzuwandern. Eine Reise nach dem Zudar stand in Norddeutschland halb so hoch im Kurs wie eine Pilgerfahrt nach Rom zum Sitz des Papstes. Zweimal Zudar und man war alle Sünden los. Aber mit dem Besuch der Zudarschen Wallfahrtskirche nahm es im Jahre 1372 ein unglückliches Ende. Ein Pilgerschiff kenterte auf der Reise nach Zudar im Sund, denn es kam ein "wedder und groth storm" und alle 90 Pilger kamen ums Leben. Seither glauben die Leute nicht mehr daran, daß von Zudar Wunderkraft ausgeht - "also wardt dett afflath wedder gelecht, wante dar schach groth schade."


    Bauliche Merkmale

    Die auf einer Halbinsel gelegene südlichste Kirche Rügens ist eine in Langhaus und Chor einheitlich durchgebaute schlichte gothische Kirche mit einem runden Triumphbogen und niedriger Einwölbung. Diese ist etwas später erfolgt als die Errichtung der Außenmauern (Mitte des 14. Jahrhunderts), denn sie entspricht nicht ganz deren Fenstersitz. Schon 1318 wurde eine "parochia Szudar" (Kirchengemeinde Zudar) urkundlich aufgeführt. Unter dem nordöstlichen Fenster ist eine rundbogige Ausstellungsnische zu sehen, die vielleicht mit den damals üblichen Wallfahrten zusammenhängt.


    Der Grundriß der Wallfahrtskirche

    Die Sage von der untergegangenen Stadt Konow

    Im Osten der Halbinsel Zudar hat es eine große Stadt gegeben, Konow genannt. Sie soll durch einen gewaltigen Orkan und eine große Sturmflut von den aufbrausenden Wogen der See verschlungen worden sein. Aus dieser untergegangenen Stadt soll die im l. Weltkrieg abgelieferte Glocke "Anna Susanna" der Zudarschen Kirche stammen. Es wird erzählt, daß ein hübsches Mädchen die Glocke am Ufer stehen sah und sie durch ein aufwerfendes Tuch auf der Stelle bannte. Dann hat man zwei Ochsen vorgespannt und die Glocke nach dem Kirchhof Zudar gefahren.

    Die Zudarer Glocken

    Die Kirche in Zudar hatte einst drei Glocken. Nur die kleinste ist noch da. Von den beiden anderen - im ersten Weltkrieg abgelieferten Glocken-wog die große 16 Zentner/die andere 8 Zentner. Beide waren stark gegossen und in Silber legiert. Am Helm der größten Glocke stand: "Mich goss Simon Zach im Jahre l848"

    Darunter auf der Vorderseite in der Mitte stand: "Malte, Fürst zu Putbus, Patron; Dr. Hofmeister, Pastor; F. Wenzel und W. Brunckhorn, Kirchenvorsteher; G. Kruse, Küster. Herrn Eingepfarrten: v. Dycke, Bamberg, Groenlund, v. Bohlen. Westströhm, Kayser, Vangler."

    Unten am Kranz stand: "Vivos voco, mortuos plango, fulgra fango." (Die Lebenden rufe ich, die Toten beklage ich, den Blitzen wehre ich.)

    Auf der anderen Seite stand: "Kommt her, denn es ist alles bereit, auf daß mein Haus voll werde. Der Helm trug Engelsköpfe und war mit Lorbeerblättern verziert. Auf der mittleren Glocke stand am Helm: "Mich goß Simon Zach in Stralsund im Jahre 1848"

    Und in der Mitte stand: "Wer aus Wahrheit ist, der höret meine Stimme."

    Die größere der beiden alten Glocken von 1848 war unter dem Namen "Anna Susanna" bekannt. Der Sage nach soll sie aus der Schoritzer Wiek, einer anderen Sage nach, aus dem Bodden beim gelben Ufer stammen.

    Es wurden nach dem Ende des I.Weltkrieges zwei neue Glocken angeschafft, die aber schon wenige Jahre später, im 2.Weltkrieg, wieder abgegeben werden mußten. Im Jahr 2001 wurden zwei neue Glocken aufgehängt.


    Liebe Besucher

    Wir freuen uns, Sie in unserer schönen alten Kirche begrüßen zu können!
    Der Name St. Laurentius erinnert an einen Mann, der auch in einer Notlage an seinen Glauben festhielt. Seit Jahrhunderten versammeln sich hier Menschen, die aus Anrede Gottes Zuversicht, Ermunterung und Trost erfahren. Gönnen Sie sich einen Augenblick der Besinnung. Wenn Sie möchten, feiern Sie mit uns Gottesdienst oder besuchen Sie unsere Abendmusiken.


    Eine Besichtigung der Kirche ist möglich. Bitte melden Sie sich im Pfarrhaus neben der Kirche.