Garz ....... Zudar ....... Sehlen .......

Die Sehlener Dankeskirche

Inhalt:

  • Geschichtliche Nachrichten


  • Bauliche Merkmale und Inventar


  • Entstehung des Dorfes Sehlen


  • Sehlen hat seine Kirche erhalten


  • Zusatzinformation


  • Geschichtliche Nachrichten

    1864-66 Bau der Dankeskirche zu Sehlen
    1866 am 14. Dezember wird die Kirche feierlich eingeweiht
    1892 die Kirchengemeinde Sehlen erhält ihre Selbständigkeit mit eigener Pfarrstelle und Pfarrer Schnittke bis 1931
    1942 Pfarrstelle wird mit Pfarrer Utermark wiederbesetzt
    1947 Zerstörung der Fenster durch Bunkersprengung im nahegelegenen Wald
    1948 Reparaturen der Fenster und im Kirchenschiff
    1955 Beendigung der Amtszeit von Pfarrer Utermark. Kirche wird wieder von Bergen mitverwaltet
    1966 100-Jahrfeier der Dankeskirche
    ab 1976 Kirche wird nicht mehr genutzt
    1991 1. Sitzung des neugewählten Gemeindekirchenrates. Sehlen wird dem Kirchenkreis Garz angeschlossen die Pfarrstelle übernimmt Pfarrer S. v. Schöning mit Amtssitz in Garz. Nach umfangreichen Instandsetzungsarbeiten (Dach, Fenster, Kircheninneres) erster Gottesdienst nach 16-jähriger Pause wieder in der Kirche und 125-Jahr-Feier
    1993/94 weitere umfangreiche Reparaturen und Einbau eines Gemeinderaumes
    1999 Renovierung der einmanualigen Mehmelorgel (nach 30 Jahren wieder bespielbar)
    2002 Erhalt von zwei neuen Bachert-Glocken

    Quellen: - "Kunstdenkmale von Rügen", Beyer
    - Kirchenchronik von Sehlen


    Bauliche Merkmale und Inventar


    Die neugotische Backsteinkirche liegt, umgeben vom Friedhof, auf einer Anhöhe. Sie ist 18,50 m lang, 11,80 m breit und mißt bis zum First eine Höhe von 12 m, die noch um 7 m von dem schlanken, viergeschossigen Westturm mit einfachem Satteldach überragt wird.
    An das saalartige Schiff von fünf Achsen Länge schließt sich die polygonale Apsis an, die ein sechsteiliges Gewölbe mit Rundstabrippen hat. An Chor und Schiff dominieren die kräftigen Strebepfeiler. Die hochgelegenen, großen Spitzbogenfenster enden in Höhe der Emporen, die sich an drei Seiten um das Schiff ziehen, das eine der Form des Satteldaches folgende Holzdecke hat. An der Westwand des Schiffes befanden sich ursprünglich zwei relativ breite Aufgange zu den Emporen, von denen heute nur noch der nördliche vorhanden ist. Die zweite Öffnung wurde als Lichtschacht für den neuerbauten Gemeinderaum belassen.
    Auf der Empore sind Aufgang und Lichtschacht verglast und windfangartig geschlossen. Der neue Gemeinderaum ist durch Glaswand und Tür vom Kirchenschiff abgetrennt worden und erhielt unter dem Aufgang eine kleine Teeküche, einen Seelsorgeraum sowie ein WC. Der Altar besteht aus Eichenholz. Die Kanzel stammt aus dem Jahre 1866. Der achteckige Kanzelkorb ruht auf einem achteckigen Fuß. Die Korbfelder und das Treppengeländer sind mit gotisierenden Ornamenten geschmückt, die die Form der Fenster aufnehmen. Die achteckige Taufe besteht aus Kunststein und ist mit neugotischem Ornament verziert. Die Orgel wurde 1887 von Friedrich A. Mehmel aus Stralsund erbaut Sie besitzt Manual, angehängtes Pedal, fünf klingende Stimmen und mechanische Schleifladen. Der Prospekt ist neugotisch.
    Das weitere Kircheninventar in Form von Altarleuchtern aus Messing, Taufschalen, Oblatendose, Patene und Abendmahlskanne stammen aus der Mitte des 19. Jahrhunderts.
    Ein Bild
    Rosette vom Eingangsportal

    Entstehung des Dorfes Sehlen


    Das Weiler - Dorf Sehlen liegt in der flachwelligen Grundmoränenlandschaft Mittelrügens unweit von Bergen. Der Ortsname stammt aus dem Slawischen und wird von "zeleny" = "grün" abgeleitet. Frühere Varianten des Namens sind u.a. auch Seelen, Zilne, Sielen und Sylnow.
    1298 verkaufte Fürst Wizlaw I das Dorf an Heino v. Preez und 1300 veräußerte Fürst Wizlaw II eine Rente aus "Sylnow" an den Lübecker Arnold Pape. 1319 ging das Gut Sehlen in den Besitz des Ritters Johann v. Kiel über, das er 1335 an das Kloster Bergen verkaufte. 1338 gingen auch die Rentenanteile des Arnold Pape an das Kloster. 1525 ist der Ort Eigentum des Klosters Bergen.
    1532 bestand Sehlen aus neun Bauernhöfen, aber um 1700 waren nur noch drei davon vorhanden.
    Ab 1812 siedelten sich in der Sehlener Heide Büdner an und der Ort wuchs.
    1867 hatte das Dorf 91 Häuser mit 823 Einwohnern. Heute zählt Sehlen etwa 700 Einwohner.


    Die Orgel in der Sehlener Kirche

    Sehlen hat seine Kirche erhalten

    In der Mitte des 19. Jahrhunderts machten die sozialen Zustände in Sehlen den Verantwortlichen der Kirche in Bergen schwere Sorgen.
    Mit der bestehenden Armut gingen Gleichgültigkeit und schlechter Lebenswandel Hand in Hand. Man war sich bewußt, daß etwas für die Menschen getan werden müsse.
    So heißt es in einer Schrift von 1859 "Gründliche Abhülfe kann hiernach für die kirchlichen Nothstände dieser Gemeinde nur dann beschafft werden wenn es durch Gottes Gnade gelingt für Sehlen und die nahe liegenden Ortschaften..., eine eigene Kapelle zu erbauen...".
    Die Notwendigkeit zum Bau der Kirche und eines dazugehörigen Pfarrhauses sahen alle Sehlener ein, aber das Dorf war zu arm. Deshalb wurde eine Hauskollekte beantragt und genehmigt. Die Sammlung wurde über die Grenzen Rügens bekannt und selbst der König sandte ein Gnadengeschenk von 3000 Talern.
    Die Bausumme war bald gedeckt und am 14. Dezember 1866 konnte die Kirche eingeweiht werden. Zunächst versahen Hilfsgeistliche den Dienst und 1892 wurde Sehlen eine Pfarrstelle mit eigenem Pastor. Ab 1931 wurde die Kirchengemeinde wieder von Bergen aus verwaltet.
    1942 war die Pfarrstelle noch einmal mit Pfarrer Utermark besetzt worden.
    Im zweiten Weltkrieg hatte Sehlen 36 Männer verloren. Aber noch einmal bekam das kirchliche Leben durch Flüchtlinge und Umsiedler Auftrieb. Die 100-Jahrfeier wurde noch festlich begangen, doch schon 10 Jahre später stand die Kirche ungenutzt und war dem Verfall preisgegeben.

    Im Inneren macht das Gotteshaus einen sehr
    guten Eindruck
    Erst 1991, mit Übernahme der Pfarrstelle durch Pfarrer S.v. Schöning, regte sich wieder Leben und der Wunsch, die Kirche zu erhalten.
    Gemeindekirchenrat und Beirat wurden neu gegründet. Seitdem haben viele unermüdliche Helfer gemeinsam mit den Pastoren die Schäden beseitigt und in fleißigen Einsätzen umfangreiche Bauarbeiten unterstützt.

    Als die Kirche jahrelang ungenutzt stand, wurde die Orgel teilweise ausgelagert. Dabei hat sie Schaden genommen und die Gemeinde steht nun vor der Aufgabe, die Orgel kostenaufwendig instand setzen zu lassen. Es sind weitere umfangreiche Sanierungsarbeiten am Turm, an der Glockenaufhängung und an den Giebeln geplant.
    Wie zu Beginn der Geschichte der Dankeskirche helfen auch dieses Mal die Spenden der Schwestern und Brüder, um die Vorhaben zu ermöglichen.


    Die Gemeinde ist froh; sie wird ihre Kirche erhalten!

    (unter Verwendung eines Textes von Waltraud Mantei und der Kirchenchronik von Sehlen)

    Liebe Besucher,

    wir begrüßen Sie herzlich in der etwa 130 Jahre alten Dankeskirche in Sehlen.
    In der Wahl des Namens brachte die Kirchengemeinde damals ihren Dank an die uneigennützigen Helfer zum Ausdruck, die den Bau durch Spenden ermöglichten.
    Der Dank richtet sich aber auch an Gott, den Herrn - denn letztlich bahnten Glaube und Vertrauen den Weg für das Vorhaben, so wie auch jetzt, als die Gemeinde und viele Helfer die Kirche ein zweites Mal zum Leben erweckten.